Weathergrams

Ein Projekt meiner INKademy im Herbst 2026: Weathergrams

Ein schmaler Streifen Papier, an einen Ast gebunden. Ein paar Zeilen drauf, mit der Feder geschrieben. Vielleicht schon etwas verblichen: Vom Regen ausgewaschen, von der Sonne gebleicht?

➨ Genau so soll das sein.

Was ist ein Weathergram?

Die Idee stammt vom amerikanischen Kalligrafen Lloyd J. Reynolds (Link führt zum Original-Manuskript), Reed College in Portland, Anfang der 1970er-Jahre. Ein sehr kurzer Text – höchstens zehn Wörter, oft weniger – wird auf einen Streifen braunes Packpapier geschrieben. Ungefähr 6,5 auf 25,5 Zentimeter, so wie es Reynolds vorgeschlagen hat. Dann wird der Streifen draußen aufgehängt. Und bleibt für ca. drei Monate dort.


Jetzt hängen ein paar davon in der ganzen Welt verteilt

Naja, genauer gesagt, vorwiegend im deutschsprachigen Raum. Denn da leben die meisten INKademy-Teilnehmerinnen. Sie schreiben ihre eigenen Weathergrams und hängen sie irgendwo auf – an einem Baum, einem Zaun, wo halt grad Platz ist – und lassen sie dort für einige Monate verwittern, bevor sie wieder abgenommen werden.

Auf der Karte unten sammeln wir, wo sie hängen. Nicht immer auf den Meter genau, eher so ungefähr – denn schließlich hängt das eine oder andere Weathergram auch mal in der Nähe von jemandes‘ Zuhause.

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Karte: Hier findest Du die Weathergrams

+Marker hinzufügen

Ein Weathergram eintragen

Wenn Du selbst ein Weathergram aufgehängt hast: Trag es gerne mit ein paar Worten und einem Foto in die Karte ein. Dadurch wird sichtbar, wie viele kleine Schriftzeichen gerade da draußen in der Landschaft baumeln und langsam wieder zu Natur werden 🙂

So funktioniert die Eintragung:

Klicke oben rechts in der Karte auf das rote +-Zeichen und mach dort die notwendigen Eintragungen. Wenn das Weathergram in Deinem eigenen Garten hängt, gib zum Schutz Deiner Privatsphäre nur einen ungefähren Ort an, z. B. den Ortsnamen oder die Gegend. Das reicht völlig aus.

Anleitung: So machst Du ein Weathergram

Ganz einfach. Du brauchst dafür keine Kalligrafie-Ausbildung.

Was Du brauchst:

  • ein Stück Packpapier (siehe unten – recycelte Tüten tun’s genauso)

  • wasserfeste Tusche oder Tinte und eine Feder – oder, ganz pragmatisch, einfach einen Marker

  • etwas Schnur

Die Originalgröße bei Reynolds war ungefähr 26,5 × 6,5 Zentimeter – daran musst Du Dich aber nicht halten, nimm, was Dir gefällt. Wenn Du mehrere machen möchtest, lohnt sich die Anfertigung einer kleinen Schablone aus Pappe.

Dann: oben ein Stückchen umklappen, ein Loch hineinstanzen, die Schnur einfädeln.

Erst jetzt beschriften.

Schreib Deinen Gedanken oder ein kurzes Gedicht/Zitat auf das Papier.

Von mir bekommst Du ein pdf mit Aufklebern zum Ausschneiden. Kleb das hinten aufs Weathergram oder hänge es unten mit einer Schnur an. Aufpassen: normale Druckertinte wäscht sich aus, sinnvoll wäre hier ein Druck mit einem Laserdrucker (z. B. Copyshop). Und/oder ein transparentes Klebeband obendrüber.

Aufhängen an einem Baum – gerne bei einem Spaziergang, damit auch andere etwas davon haben …

Fertig!

Du brauchst dafür kein teures Spezialpapier. Alte Papiertüten tun’s genauso – von der Drogerie, vom Versandhandel, was sich bei Dir gerade so ansammelt. Hauptsache, das Papier ist stabil genug für Tusche und hält draußen auch mal was aus. Ich habe sogar schon den braunen Karton von Versandumschlägen benutzt – funktioniert fantastisch, weil noch etwas stabiler!

So lange darf es hängenbleiben:

Etwa eine ganze Jahreszeit lang, also drei Monate, z. B. von einer Sonnenwende zur nächsten Tagundnachtgleiche. Wind, Regen und Licht verändern das Papier – das gehört dazu, das ist kein Schönheitsfehler, sondern Teil des Projektes. Reynolds nannte das den Weg „back to nature“. Ich finde das einen sehr schönen Gedanken …

Danach nehmen wir die Weathergrams wieder ab. Wenn sie denn überhaupt noch da sind. Damit sie nicht als „Müll“ in der Landschaft landen …


 

Worum geht's im Text?

Eher nicht um kunstvoll ausgedachte Gedichtzeilen. Reynolds sprach von einem „moment of insight“ – einem Augenblick, den man wahrnimmt und in wenige Worte fasst. Vielleicht hast Du schon mal selbst einen Haiku geschrieben? Genau sowas ist gemeint. Oder gar noch weniger.

Andeuten, in Bilder umsetzen … wenn Du magst … der Rest bleibt verborgen. Sozusagen unter der Oberfläche. Genau das macht die Texte spannend.

Fertig?

Dann jetzt raus an die Luft, und schauen, was Wind und Wetter mit unseren Worten machen 😉!!!

Und lass mich gerne in den Kommentaren wissen, ob Du einen Weathergram gefunden hast.

 

Das Kleingedruckte

Die Weathergrams sind Teil eines zeitlich begrenzten Kunstprojekts und müssen spätestens nach drei Monaten vollständig wieder entfernt werden. 

Die Teilnahme am Weathergram-Projekt und das Aufhängen der Arbeiten erfolgen eigenverantwortlich. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ist selbst dafür verantwortlich, vorab die Erlaubnis der Grundstücks- beziehungsweise Baumeigentümer einzuholen, örtliche Vorschriften zu beachten, das Weathergram baumschonend zu befestigen und spätestens nach drei Monaten vollständig wieder zu entfernen. Die Projektinitiatorin wählt oder genehmigt keine Standorte und übernimmt keine Verantwortung für unzulässig angebrachte Arbeiten, Verstöße gegen örtliche Bestimmungen oder daraus entstehende Schäden. Im Übrigen gelten die gesetzlichen Haftungsbestimmungen.

2 Meinungen zu “Weathergrams

  1. Martina Reuter sagt:

    Hallo Gertrud,

    wie bekomme ich die PDF-Datei für die Aufkleber?
    Liebe Grüße und viel Vergnügen und eine schöne Zeit in Essen.

    Martina Reuter

    • Gertrud sagt:

      Hallo liebe Martina, dazu habe ich Euch heute ein Mail geschickt – und Du findest sie auch bei den Handouts in der INKademy! Das hört sich ja an, als ob Du schon was fertig hast … super! Lieben Gruß, Gertrud

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